MC: Haben Sie sich irgendwie auf die Rolle des Lucheni vorbereitet - z.B. spezielle Elisabethliteratur gelesen?Sie sich irgendwie auf die Rolle des Lucheni vorbereitet - z.B. spezielle Elisabethliteratur gelesen?
SK: Das habe ich, aber nicht so gründlich, wie ich es gerne getan hätte. Ursprünglich war ich für eine Ensemblerolle vorgesehen, aber durch den verletzungsbedingten Ausfall von Thomas Borchert wurde ich 2 Wochen vor der Premiere umbesetzt und da blieb nicht mehr wirklich viel Zeit, um sich mit dem Thema tiefgründig zu beschäftigen. Aber ich glaube, die Kenntnisse, wie man eine Rolle angeht, sind vorhanden, da ich eine Ausbildung als Schauspieler und Musicaldarsteller gemacht habe. Ich habe sehr viel intuitiv gemacht, sprich, das wenige, das ich über Lucheni und Elisabeth wusste, zusammen mit dem, was ich in den Proben gelernt habe, ergab das, worauf ich wirklich sehr stolz bin. Der historische Lucheni ist ein anderer, als der, den ich im Textbuch finde.
MC: Ist der Lucheni eine Traumrolle für Sie, bzw. in welchen Stücken/Rollen könnten Sie sich noch vorstellen, mitzuwirken?
SK: Lucheni ist natürlich eine Traumrolle und das so früh am Anfang, das hätte ich nicht gedacht. Ich habe verschiedene Ziele, nicht nur im Musical - sondern auch im Schauspielbereich, aber im Musical ist auf alle Fälle der Judas aus JESUS CHRIST SUPERSTAR eine Traumrolle für mich. Es gäbe noch einige andere gute Stücke, die aber leider nicht gespielt werden, wie z.B. CHESS. vielleicht verschlägt es mich danach auch wieder zum reinen Sprechtheater, das kann ich mir auch gut vorstellen.
MC: Sie sprühen bei jeder Vorstellung nur so vor Energie - woher nehmen Sie diese und das noch dazu fast jeden Tag?
SK: Also zum einen, ohne jetzt arrogant zu wirken. Ich bin Profi, ich weiß, dass jeden Abend sehr viele Leute im Theater sitzen, die das Stück noch nicht gesehen haben, und diese möchte ich 'kriegen'. Es ist auch oft so, dass die Energie des Publikums so enorm ist, dass ich richtig mitgerissen werde und am Schluss einer Aufführung habe ich dann mehr Energie als davor. Ich empfinde das als ein Geben und Nehmen mit dem Publikum und das spornt mich sehr an. Aber Tatsache ist, dass mein Job keine Routine ist, durch das Zusammenspiel eines fantastischen Ensembles passieren bei jeder Vorstellung andere Dinge und es ist ein sehr schönes Abenteuer, dass ich jeden Abend erleben darf.
MC: Haben Sie ELISABETH - wie in Wien 1992 alles begann - auch gesehen oder später in einem anderen Land, und hätten Sie je gedacht, dass Sie einmal selbst mitspielen würden?
SK: Also ehrlich gesagt wollte ich, obwohl ich eine Musicalausbildung genossen hatte, nie Musical spielen, somit habe ich mich auch gar nicht in der Musicallandschaft ausgekannt. Ich ging eigentlich nur aus Neugierde zur Audition für Miami Nights in Düsseldorf und es hat geklappt, und ab dem Zeitpunkt, da hab ich dann 'Blut geleckt'. Als ich für ELISABETH vorgesungen habe, habe ich immer nur gehört, dass es ein tolles Stück sein soll, aber die Inszenierung, die ich in Essen gesehen habe, hat mir nicht gefallen. Die Originalfassung, so wurde mir erzählt, wäre ganz anders und viel besser und so habe ich mich darauf eingelassen.
MC: Was sagen Sie zu dem in Österreich bestehenden Musical-Fankult?
SK: Also ich glaube nicht, dass wir Darsteller wie ein Totempfahl angebetet werden, es ist eher sehr menschlich zwischen Fan und Darsteller und das gefällt mir sehr gut. Man bekommt des öfteren Kritik, manchmal will man sie hören, manchmal nicht, aber es ist toll, wenn ein Teil aus der anonymen Masse der Zuseher heraustritt und einem die Meinung zum Stück oder zur eigenen Person sagt.
MC: Wie finden Sie die Tatsache, dass das THEATER AN DER WIEN in Zukunft keine Musicals mehr beherbergen soll?
SK: Also ich finde es nicht so tragisch, da das RAIMUND THEATER und das RONACHER weiter als Spielorte für Musicals bestehen bleiben. Ich finde es nur insofern schlimm, wenn gesagt wird, dass jetzt 'endlich im Theater an der Wien Kunst gemacht' wird. Das ist 'bullshit', Kunst wird bereits jetzt jeden Abend da gemacht.
MC: Wenn Sie keine musical-ische Laufbahn eingeschlagen hätten, wie würde Ihr Leben jetzt aussehen?
SK: Also auf alle Fälle sehr fad. Aber es wäre so oder so dazu gekommen, daran glaube ich fest. Und dass ich diesen Beruf gewählt habe, obwohl eigentlich niemand in meiner Familie etwas mit Theater oder Kunst zu tun hat, zeigt mir, dass irgendetwas in mir war, das unbedingt heraus musste. Und wenn es Theater auf der Welt noch nicht gegeben hätte, ich hätte es erfunden.
MC: Was würden Sie alles für eine Rolle in Kauf nehmen z.B. weite Reise, Typveränderung, etc.
SK: Alles was die Figur braucht, gebe ich ihr. Ich als Darsteller sehe die Figur als Freund, lerne ihre Geschichte kennen und versuche, sie so gut es geht zu erzählen, und wenn mir diese Figur ans Herz wächst, was sie auf jeden Fall tun wird, so würde ich für sie alles opfern, vielleicht keinen Finger abschneiden oder so, aber ich würde wirklich weit gehen, um eine Figur glaubwürdig darzustellen.
MC: Gibt es für Sie eine/n Traumpartner/in, mit dem/der Sie gerne einmal gemeinsam auf der Bühne stehen möchten?
SK: Ja, gibt es, obwohl das meine Freundin jetzt sicher nicht gerne hört, aber mit ihr würde ich schon gerne einmal auf der Bühne stehen. Sie studiert auch Schauspiel an der Folkwang, wird diesen November fertig und mit ihr würde ich gerne einmal gemeinsam spielen.
MC: Wo sehen Sie sich selbst in 10 Jahren bzw. wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?
SK: Das weiß ich gar nicht, vielleicht zieht es mich wieder in die Schauspielszene, vielleicht bleibe ich auch in der Musicalszene oder vielleicht werde ich später Songs komponieren. Aber ich weiß, dass ich auch das Erbe meines Mentors Wolf Lindner weitertragen möchte, sprich unterrichten. Er ist leider vor kurzem gestorben, und er ist mein Vorbild in der Hinsicht, wie er sein Leben und seinen Beruf konsequent und bedingungslos gelebt hat. Aber jetzt steht erstmal FOOTLOOSE in Amstetten am Programm, bei dem Kim Duddy für Regie und Choreographie zuständig ist und darauf freue ich mich schon sehr. Und danach geht es in die nächste Spielsaison mit ELISABETH.
(Das Gespräch führte MC-Mitglied A. Martin, Quelle: www.musicalclub.at)